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Yin & Yang in der Arbeitswelt

Wenn alles ineinander fliesst

Yin und Yang sind universelle Ordnungsprinzipien. Das eine Prinzip kann ohne das Andere nicht bestehen. Alles, was existiert und sich verändert, entsteht im Zusammenspiel von Yin und Yang. In der chinesischen Schrift stellt Yin einen Hügel mit Schattenseite dar, das Yang einen Hügel mit Sonnenseite. Yin steht - unter anderem - für weibliche Qualitäten, Yang für männliche. Obwohl Yin und Yang Gegensätze charakterisieren (Schatten - Licht, Kälte - Hitze, Aktivität - Passivität), schliessen sie sich nicht aus; sie ergänzen sich vielmehr. Zwar sind zum Beispiel Tag und Nacht Gegensätze, fliessen jedoch nahtlos ineinander: Der Tag wird erst durch die Nacht zum Tag.

Das Ungleichgewicht von Yin und Yang ist leider ein Merkmal unserer Zeit, gerade in der Arbeitswelt - also beispielsweise von Leistung und Kontrolle als Yang-Prinzipien, die in unserer Gesellschaft viel stärker ausgeprägt sind als Sich-Zeit-nehmen und Ruhe als Yin-Prinzipien.

Wir leben in einer Yang-Kultur, in der Leistung, Produktivität, Tun, Geschäftigkeit, Kontrolle, Struktur, Aussenorientierung überbewertet werden. Yin-Qualitäten wie Stille, Musse, Gelassenheit, Kreativität, Verbindung, Entspannung, Vertrauen und der Fokus nach innen, sie gelten als Schwäche im einer Zeit, wo alles gemessen, berechnet, geplant wird.

Diese überbetonten Yang-Qualitäten haben ihre Grenzen. Viele Menschen sind erschöpft, müde, gereizt und nehmen ihren Körper kaum mehr wahr. Viele denken, wenn sie nicht mehr leistungsfähig sind, seien sie nichts mehr wert. Untätigkeit gilt als Schwäche, sogar in der Freizeit wollen gewisse Menschen sich und anderen noch etwas beweisen... Manager trainieren für einen Triathlon, Marathon, was auch immer, ohne Rücksicht auf den Körper... Wie wäre es, diese Zeit stattdessen mit der Familie zu verbringen? Die Welt mit Kinderaugen zu betrachten, zu staunen und kein Ziel zu haben?

Auch Kriege, Umweltkrisen entstehen aus zuviel Yang-gegen-Yang Energie. Yin ist seiner Natur entsprechend an Ruhe und Beständigkeit, am reinen Sein orientiert.

Nur Yin kann dafür sorgen, dass wir uns weniger gedrängt, gestresst fühlen. Aus der Ruhe kommt erst die Inspiration und Kreativität. Yin lässt Lücken und Pausen zu. Yin sind Spaziergänge in der Natur, ohne Handy. Yin ist Nichtstun, planlos sein. Vertrauen ins Jetzt. Entspannung. Wissen, dass alles zur Genüge vorhanden ist.

Es braucht immer beides! Für Gesundheit, inneren Frieden und Harmonie müssen Yin und Yang, die männlichen und weiblichen Qualitäten, im Lot sein. Ich wünsche insbesondere den Frauen eine Rückbesinnung auf die inneren Yin-Qualitäten und den Mut, sie auch zu leben - genauso aktiv wie die Yang-Qualitäten. Oft - leider - werden gerade im Geschäftsleben fast ausschliesslich männliche Qualitäten gelebt, in einer unausgeglichenen und anstrengenden Art und Weise. Das kann für beide Geschlechter sehr erschöpfend sein. Wie im Symbol zu ersehen ist, hat der Yang-Anteil auch Yin-Energie in sich und umgekehrt. Das gilt es zu berücksichtigen.

Was tust du für deine Balance?

Auch ich lebte früher eher im Yang, aber schaute in den letzten Jahren gut, dass ich es nicht übertreibe damit und heute bewusst mehr und mehr Yin-Energie zulasse.... Nach Wochen oder Monaten voller Aktivität und Tatkraft, vielen Projekten und Planungen, musste mir mein Körper dann jeweils mit Müdigkeit aufzeigen, dass es wieder Zeit für Pausen war, für weniger tun, für mehr SEIN und für schöpferische Entspannung. Aber auch für Kreativität, Intuition und Verbindung. Ich habe auf die Signale des Körpers gehört und heute bemerke ich viel früher, sollte ich mal wieder zu stark in der Aktivität und Aussenorientierung leben. Dann ändere ich wieder etwas am Alltag... Alles zu seiner Zeit, rhythmisch, wie das Leben ist.

Apropos Rhythmus: Ich finde, er ist ebenfalls ein Charakteristikum von einem ausgeglichenen Yin-Yang-Verhältnis. Rhythmisch ist die Natur, wir leben in Zyklen. Jeder Zyklus fliesst nahtlos in den nächsten. Yin und Yang, Yin und Yang, endlos. Der Takt hingegen ist der Gegensatz zum Rhythmus, er ist vom Menschen gemacht. In der Natur gibt es keinen absolut gleichmässigen Takt, er wurde erst vom Menschen gemacht, in der Zeit der industriellen Revolution als man Zeit zu messen und einzuteilen begann. Meine Empfehlung ist daher klar: Gehen wir mit den Rhythmen unseres Körpers und der Natur, nehmen wir die Elemente wahr, genauso wie die Yin- und Yang-Energien und leben in Balance damit, so gut es eben geht.

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