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Was das Reisen mit mir macht (2)

Eine Fortsetzung meines beliebtesten Blogposts

Dieser Blogpost ist eine Fortsetzung zu einem meiner liebsten Themen, nämlich den inneren und äusseren Reisen - und doch ist er ganz neu. Ihn schreibe ich genauso sehr an mich wie an Dich. Immer wieder möchte ich mich erinnern an seine Quintessenz.

Ich bin vor kurzer Zeit aus Bali zurückgekehrt. Dort hatte ich vier schönste Ferienwochen verbracht und rückblickend kann ich sagen, ich war sehr glücklich, frei und unbeschwert in dieser Zeit. Trotz eines verstauchten Fusses und angerissenen Bändern, strömte das Glück aus meinen Poren. Natürlich frage ich mich jetzt, was zu meinem Zustand des inneren Friedens und solcher Gelassenheit beigetragen hat und wie ich diesen verlängern kann. Auch jetzt, zurück in Zürich, ertappe ich mich gelegentlich, wie ich lächelnd, summend, fröhlich durch die Strassen gehe, in Eiseskälte notabene, und bemerke staunend, wie leicht mich die Entspannung noch weiterträgt. Ich lade sie ein, zu bleiben.

Das "Müssen-Monster"

Erst nachdem ich schon wieder eine Woche zurück in der Schweiz war, verstand ich: Bali hatte mich aus mehreren Gründen entspannt, die harmonisch zusammenklangen.

Ganz offensichtlich mal der erste Umstand, nämlich dass ich nichts "musste". Alles, was ich tat, "durfte" ich, weil ich wollte. Selbstgewählt. Das tönt jetzt simpel und selbstverständlich. Ist es aber nicht unbedingt, schon gar nicht, wenn man selbstständig tätig ist, da gibts immer gewisse Gedanken an die Firma im Hinterkopf. Aber diesmal wars irgendwie anders. Ich hatte mir ganz bewusst selber frei gegeben, sozusagen. Das war wirklich ein Entscheid. Keine Verpflichtungen, keine Erwartungen, auch keine selber gemachten. Nicht nur, was meine geschäftlichen Themen betraf, sondern auch ganz persönliche. Ich ging mit dem Flow, plante nichts, liess mich überraschen. Ich war mit wunderbaren Menschen unterwegs und fühlte mich frei wie ein Vogel. Innere Freiheit also und kein Stress, kein "müssen", kein Druck, wobei ich mir solcherlei ja immer nur selber machen kann. Und das ist genau der Punkt: Wann glaube ich, mir wieder Druck machen zu müssen und warum? Da gilt es, achtsam zu sein. Auf Bali schaffte ich es, solche Situationen ganz schnell zu durchschauen und zurückzukehren in den reinen Moment.

Zuhause angekommen, begegnete ich ihm dann wieder etwas regelmässiger, meinem gut bekannten "Müssen-Muster". Vielleicht nenne ich es lieber das Müssen-Monster.

Ich dachte, ich muss mich schnell einrichten, wieder akklimatisieren, anpassen, arbeiten, Geld verdienen, xyz erledigen. Scheint auf den ersten Blick ja auch wahr zu sein. Aber es löst doch schon Druck aus nur beim Lesen, oder?

Bei mir ist es so, dass diese Haltung und die damit verknüpften Selbst-Erwartungen immer gleich mit leichtem Stress einhergehen, mit einer Verkrampfung, und sie macht mich müde. Ist das ein Luxusproblem? Weil es uns allen so geht? Ich bin nicht sicher.

Was in meinem Leben muss ich wirklich? Gibt's da was, ausser Sterben?

Ich erinnerte mich dann bewusst ans "Dürfen". Ich wollte dem Müssen-Monster nämlich nicht einfach so nachgeben. Mich übermannen lassen, in unbewussten Aktivitäten gefangen sein. Ich erinnerte mich also. An Bali natürlich und die vielen schönen Momente. Aber auch an andere, viele Phasen der Leichtigkeit in meinem Leben. Ja, zeitenweise war ich sehr locker, unbeschwert, sehr entspannt unterwegs. Weil meine hauptsächliche innere Einstellung der Spass, die Freude, der Genuss an der jeweiligen Tätigkeit oder dem Zustand waren (und es auch heute immer wieder sind). Weil ich vielleicht gerade verliebt war, oder weil der Duft des Frühlings in der Luft lag, oder weil einfach sonst vieles stimmte. Das wirklich Ausschlaggebende in allen unbeschwerten Lebensphasen waren weniger die äusseren Faktoren als vielmehr meine innere Motivation und Haltung. Sie waren es, die mich entspannen liessen. Und dabei floss in Leichtigkeit zu mir, was gerade zu mir passte! Der dahintersteckende (und vorherrschende) Glaubenssatz war also nicht: "ich muss etwas tun, um xy zu erhalten oder erreichen..." sondern tönte eher so: "ich bin glücklich, positiv, mache das gern, geniesse xy. Und jetzt schauen wir mal, was zu mir findet und passt" und darum flossen die Resultate dieser Einstellung in Leichtigkeit zu mir. Ich gab mir damals (unbewusst) die Erlaubnis, zu dürfen, und nicht zu müssen.

Ich gebe mir die Erlaubnis, zu "dürfen", zu SEIN.

Ich bin der Überzeugung, dass alles, was ich von Herzen gern mache, Früchte trägt. Wie ich etwas tue, so zeigt sich dann auch das Resultat in derselben Qualität. Diese Erfahrung hat sich mir in den letzten zehn Jahren immer wieder bestätigt, im positiven wie im negativen.

Trotzdem bin ich immer wieder auch rausgefallen aus diesem Vertrauen. Habe misstraut, skeptisch beäugt, was gerade passiert in meinem Leben, und habe dann auch Zweifel geernet. Wenn die Haltung eine fordernde oder skeptische, zweifelnde, unsichere ist, dann ist das Resultat es auch - immer. Eigentlich sollte ich es langsam wissen!

Das Vertrauen nähren, das tun, was mir wirklich entspricht. Einfach SEIN anstelle von Aktivismus, und verkörpern, was ich wirklich bin. Tagtäglich.

Die Weiblichkeit, die Langsamkeit, die Sinnlichkeit entspannten mich

Okay! Dieser Übertitel weckt bestimmt Interesse :) Lass mich erklären, worum es geht.

Bali ist eine sinnliche Insel. Mit "sinnlich" meine ich, dass unsere 5 Sinne sich dort wohlfühlen und geniessen können - es gibt tausend Farben, neue Düfte, viel Berührung, ungewohnte exotische Klänge, feinste Nahrungsmittel. Bali verwöhnt die Sinne, bietet auch viel Wärme und all das verwöhnte mich. Ich habe in Bali langsamer gesprochen, bin langsamer gegangen, bin beim Gehen schon fast getanzt (zumindest bis kurz vor der Abreise, als mein Fuss sich verstauchte und damit noch eine kleine Bali-Verlängerung initiierte. Aber das ist eine andere Geschichte).

Ich habe mich einfach wohl gefühlt in meiner Haut, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin oft in der Gruppe oder auch alleine tanzen gegangen, habe es genossen, einen weiblichen Körper zu haben, so weich und geschmeidig, habe mich feminin gekleidet, und viel meditiert, habe meine Weiblichkeitsrituale gepflegt, habe regelmässig geschrieben, bin oft einfach still gesessen und das alles täglich. Eine solche Kombination ist pure Medizin für meinen Körper. Meine Zellen erinnerten sich an ihre feminine Essenz, die gemäss dem Yin-Prinzip manchmal einfach sein, geniessen, entspannend in sich ruhen will. Die Energie Balis unterstützt das, empfinde ich (subjektiv). Und ja, auch das Vertrauen, das ich oben erwähne, ist eine Yin-Qualität und mir eigen. Es ist darum ausschliesslich meine Verantwortung, mich an die Qualitäten zu erinnern, die ich leben möchte. Ich wähle sie. Ich wähle meine Ausrichtung. Es ist meine Aufgabe, immer nur meine! Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute! Erinnern wir uns an die innewohnende Glückseligkeit. Wie die Sonne ist sie immer da, auch wenn wir sie nicht sehen. Erinnern wir uns auch jetzt, im Winter, dass in uns ein unbesiegbarer Sommer wohnt.

Wir haben immer eine Wahl. Immer.

Wir entscheiden in jedem Moment, ob wir glücklich sein wollen oder nicht.

Es mag manchmal schwer nachzuvollziehen sein. Aber wenn ich gelegentlich noch zurückfalle und glaube, dass mein Glück und mein Schicksal von Faktoren ausserhalb von mir beeinflusst werden, mache ich mich abhängig und zum Opfer. Zum Opfer von Situationen, Menschen und "Zufällen".

Entsprechend wähle ich lieber ganz bewusst Selbstverantwortung. Jeden Morgen, wenn ich erwache. Dann bin ich tief in in mir drin zufrieden, auch wenn gerade Schmerz vorhanden sein sollte. In meinem Fall war es starker physischer Schmerz, den ich nicht ignorieren konnte. Trotzdem fühlte ich mich gelassen und im Vertrauen. Ich gab meinem Drang zum Grübeln, mich sorgen, nicht nach. Ich hörte hin, hörte auf meinen Körper und den Schmerz, aber bewertete ihn nicht. Weder machte ich meinen Fuss zu meinem "Feind", noch redete ich mir esoterisch ein, mein schmerzender Fuss müsste nur genügend Liebe kriegen :) Ich habe aus meinem Erwachsenen-Ich heraus die wichtigsten Entscheidungen zu meiner Rückreise getroffen und organisiert, und danach hatte ich wieder Zeit, mich um Wichtigeres zu kümmern, nämlich die Besinnung auf den jetzigen Moment.

Offline sein

Mein Facebook-Profil auf Ferienmodus zu stellen, mich vier Wochen nicht einzuloggen, meine Mails unregelmässig zu lesen, das Handy meistens im Flugmodus zu haben - Das hat schon nach wenigen Tagen Entspannung bewirkt. Ich bin durch diese konsequente Offline-Pause ganz schnell in eine wunderbare Gelassenheit reingerutscht. Und im Hier und Jetzt angekommen. Plötzlich verfügte ich wieder über viel Zeit. Zeit, um zu warten, still zu sein, zu beobachten, innezuhalten.

Und überall habe ich Schönheit entdeckt.

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