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Vom Tanzen und der Langsamkeit

Meine fünf täglichen Rituale.

Seit fast fünf Jahren arbeite ich nun nicht mehr im Angestellten-Verhältnis. Seit fünf Jahren täglich viele Entscheidungen alleine treffen und viele Freiheiten geniessen. Tönt super, ist es auch, ich könnte nie mehr zurück. Aber die erste Zeit war nicht einfach, und es dauerte eine Weile, bis ich mich an den neuen Rhythmus gewöhnt habe. Zu Beginn fiel mir fast die Decke auf den Kopf, weil ich vom Spielplatz bei Google so verwöhnt worden war - in jeder Hinsicht: Viele intelligente Menschen um mich herum, grossartiger Austausch, viel Herausforderung, feinstes Essen ohne kochen zu müssen, viel Programm - und bei Müdigkeit eine Gratis-Massage oder Abschalten vor dem 10-Meter-Aquarium - notabene im bequemen Liegestuhl.
Und dann? Nachdem ich die Anstellung bei Google beendet hatte, musste ich jeden einzelnen sozialen Kontakt zuerst mal selber organisieren. Wollte ich jemanden sehen, mit jemandem sprechen, musste ich zuerst das Telefon zur Hand nehmen! Wenn man von zuhause aus arbeitet, wie das damals der Fall war und teilweise auch heute noch, so braucht man Rituale. Das merkte ich schnell.
Heute verrate ich Dir, was in meinem Alltag seither das Wichtigste für mich geworden ist.
Tägliche Gewohnheiten und feste Rituale.
Ohne sie funktioniere ich nicht. Ohne sie wäre mein Geschäft nur halb so erfolgreich. 
Seitdem ich zahlreiche energiespendende Gewohnheiten in meinen Alltag eingebaut habe, lebe ich bewusster und gesünder, bin glücklicher und zufriedener. Ich fühle mich heute noch fitter und energiegeladener als zu Google-Zeiten.
Ich lebe heute viel intensiver. Ich reise mehr. Ich lebe mehr im Moment. Ich tue vieles, was mich jetzt gerade glücklich macht. Vielleicht willst Du auch gerade einige neue Gewohnheiten in dein Leben bringen? Hier gibts ein paar Inspirationen dazu:
1. Schmeiss den Wecker weg (respektive lass dein Handy nicht ins Schlafzimmer)
Selten sind die Tage, an denen ich einen Wecker stelle. Ich schlafe nicht mehr oder weniger als früher - aber ich bin viel ausgeruhter. Wenn ich zu Bett gehe, schlafe ich ein. Wachliegen kenne ich nicht. Gerädert aufstehen genauso wenig. Ich bin sehr froh darum und führe es auf die Freiheit zurück, die ich mir schenke, wenn ich den Wecker nicht stelle. Weil ich nicht mehr das Gefühl habe, ich müsse unbedingt zu einem bestimmten Zeitpunkt wach sein und mich allein schon der Gedanke daran stresst. Das heisst nicht, dass ich jeden Tag bis um 9 Uhr schlafe. Im Gegenteil, ich erwache manchmal schon recht früh, bin ausgeschlafen, wenn die Sonne aufgeht. Ich staune selber darüber.
Ich liebe das Gefühl, morgens langsam aufzuwachen, mir Zeit nehmen zu können. Ich rede in meinen Vorträgen oft über die Zeit beim / nach dem Aufstehen: Die Gehirnwellen sind in einem Zustand, den man als Alpha-Zustand bezeichnet. Unsere Fantasie, Kreativität läuft auf Hochtouren und wir haben die besten Einfälle, wenn wir langsam aufwachen. Oft fallen mir Lösungen für schwierige Fragen genau dann ein.
Ach ja; langsam aufstehen (und übrigens auch abschalten am Abend) geht besser mit ausgeschaltetem Handy. Ich wüsste nicht, was mein Handy in meinem Bett zu suchen hat. 
2. Langsamkeit am Morgen
Deine Morgenroutine bestimmt, wie dein Tag verläuft. Deine Laune, deine Energiekurve hängen davon ab, wie Du in den Tag startest. Gibst Du Dir Zeit und erledigst deine Morgenroutine bewusst und langsam? Oder checkst Du deine E-Mails schon vor dem Frühstück? Für deine Stimmung und deinen Stress-Level ist das nicht gerade das, was ich so als Tipp abgeben würde. 
Dies ist meine Morgenroutine, die sich in den letzten Jahren etabliert hat :
  • Heisses Wasser trinken (mit etwas frischem Ingwer)
  • Ich schreibe meine Träume auf (das tue ich seit Jahren und werde über die Gründe einen separaten Blogpost verfassen)
  • Duschen mit meinen Lieblingsprodukten - ich liebe feine Düfte
  • Ich bestimme und überprüfe meine Ausrichtung. Das bedeutet, dass ich mir überlege, mit welcher Haltung ich heute durch den Tag gehen möchte, wie ich Menschen begegnen will, wie ich mit ihnen kommunizieren will. 
  • Ich bin sehr wählerisch, was Musik angeht und höre nie "einfach so" Radio. Im Gegenteil, ich bin so was von allergisch gegen blödes Radio-Gelaber und -Gedudel. Ich lausche also sehr wählerisch - gern zu klassischer Musik oder zu einem Mantra von Deva Premal. Ideal, um gelassen in den Tag zu starten. Jede laute Art von Musik oder Geschwätz ist für mich am frühen Morgen ein Verbrechen.
  • Parallel dazu bereite ich mein Müsli mit Früchten, Nüssen und Beeren zu. 
  • Bewegung: oft tanze ich am morgen noch 10 Minuten. Das wird dann etwas lebhafter :) Oder ich mache ein paar Sonnengrüsse, wenn ich noch Zeit habe (Yoga).
Alles, was ich tue, tue ich langsam. Das ist für mich das Wichtigste. Nur ungern erinnere ich mich zurück an mein früheres Gehetze vor der Arbeit. Wenn ich mich so erinnere, habe ich früher eigentlich immer gestresst am Morgen. Der erste Gedanke beim Aufstehen war dem gewidmet, was ich heute im Büro alles abzuarbeiten hatte und ob ich wohl pünktlich sein würde. Was für eine mentale Energie-Verschwendung. Ich kannte es nicht anders. 
3. Tanz, Yoga, Meditation, Qi-Gong
Für mich ist das Tanzen zur wichtigsten bewegten Gewohnheit im Alltag geworden. Ich liebe die Leichtigkeit, das Verspielte, die Lockerheit beim Tanzen. Man kann dadurch so vieles loswerden, das nicht mehr zu einem passt. Man kann alles wegschütteln, rauslassen, und es macht einfach total Spass. Als ich vor drei Jahren den Fünf-Rhythmen-Tanz entdeckt habe, war das eine Offenbarung. Tanzen ist mein Rezept, um von der Kopflastigkeit, die ich sehr gut kenne, wieder zurück in den Körper zu kommen. Der ganze Körper ist schliesslich der Tempel, nicht nur der Kopf. 
Aber auch Yoga, Autogenes Training, Qi-Gong, Atem-Meditation und viele weitere Techniken bringen dich runter und in tieferen Kontakt mit deinem Körper. Du wirst mehr im Jetzt leben, wenn Du regelmässig praktizierst. Auch hier gilt: die Regelmässigkeit machts. Einmal ist keinmal, sorry!

4. Gesunde Ernährung
Die Energie, die Du deinem Körper zuführst, entscheidet über die Qualität deines Lebens. 
Wir wissen das alle theoretisch, ich wusste es auch schon lange, und habe trotzdem meiner Ernährung wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ich hatte nicht wirklich tief genug verstanden, was Ernährung alles verändern kann. 
Mein Körper und Wohlbefinden ist mir heute viel wichtiger als früher - und da gehört die Ernährung mit dazu. Ich setze grundsätzlich auf eine gesunde, frische Ernährung, die mich fitter und energiegeladener macht. Es gibt hier durchaus noch Optimierungspotenzial, aber hey, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Schritt für Schritt merke ich, wie sich meine Ernährungsgewohnheiten zum Positiven verändern. Wie ich mit Lebensmitteln wählerischer werde, wie ich sensibler auf gewisse Lebensmittel reagiere - und dass ich ganz einfach viel weniger Magenschmerzen habe als noch vor ein, zwei Jahren. Das allein ist für mich Grund genug, mich noch näher damit zu befassen. Auf alle Fälle hat sich der Kauf meines Vitamix jetzt schon gelohnt.
5. Ruhe und Alleinsein
Heute arbeite ich zusammen mit anderen Unternehmern und kreativen Köpfen in einem innovativen Coworking-Space. Dort läuft viel. Umso wichtiger ist für mich auch Ruhe und Alleinsein. Tönt jetzt nicht gerade superspannend, zugegebenermassen. Viele von uns können dies gar nicht, ertragen Stille nicht. Sind rastlos, ruhelos. Rennen frühzeitig aus dem spirituellen Meditationsretreat weg, hüpfen von einem Flughafen zum nächsten ohne sich selber jemals richtig wahrzunehmen, lenken sich ab mit allem, was des Weges kommt (Menschen, Alkohol, viel Arbeit, Shopping, Drogen, zuviele unnötige Weiterbildungen, Essen, etc.) Dabei ist die wichtigste Fähigkeit im Leben: Allein sein. Mit Dir sein. In Ruhe sein. 
Einsam sein ist etwas anderes, im Übrigen. Wenn Du mit Dir bist, bist du nie einsam. 
Ich selbst brauche viel Zeit für mich, und zwar jeden einzelnen Tag. Um zu reflektieren, um meine Batterien aufzuladen, denn manchmal verliere ich in Interaktionen mit Anderen noch kostbare Energie. Ich merke aber auch, dass das nachlässt. Dass ich es besser schaffe, in Konversationen mit Anderen trotzdem "bei mir" zu bleiben, weniger "im Aussen" zu verweilen. Die innere Verbindung aufrecht zu erhalten.
Ich bin mir bewusst, dass diese Worte für Viele vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig klingen. Und doch war es die schönste Erfahrung, die ich bisher machen durfte - zu merken, ich bin NIE einsam. Alleine bin ich schon, sehr gerne sogar. Aber einsam kann ich nicht sein, weil ja ich selber da bin; da für mich. Ich höre auf meine innere Stimme. Als ich das vor ein paar Jahren in der ganzen Tiefe verstanden habe, war das ein unendlich schönes Gefühl der inneren Befreiung. Und weil ich heute gut und gerne allein sein kann, brauche ich nichts von Anderen. Ich bin nicht abhängig von Reaktionen, Zustimmung, Anwesenheit Anderer. Ich bin frei. Und alles, was ich dann gebe und erhalte, alles, worauf ich mich einlasse, ist freiwillig gewählt und geschieht aus Freude, Lebenslust. Und erhöht damit Energie.
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