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Über meine oberste Priorität...

Und was sie mit Sinnlichkeit zu tun hat

Kürzlich führte ich ein Gespräch mit einer jüngeren Frau, die ich in Griechenland kennenlernte. Sie gehört zu jenen extrem beschäftigen Menschen, die sich nie wirklich entscheiden können. Sie hat ein eigenes Geschäft seit ein paar Jahren, wickelt fünf Projekte gleichzeitig ab, weil sie alle so toll findet, überfordert sich heillos, kommt regelmässig extrem an ihre Grenzen (eigentlich dauernd, gesteht es sich aber nicht ein), ist immer wieder krank, teilweise chronisch (mit 26 Jahren), und wenn sie bemerkt, dass sie sich wieder mal zuviel zugemutet hat, dann reist sie, wie jetzt, einen Monat nach Griechenland, Thailand oder Hawaii, um sich zu regenerieren. Um dann zuhause wieder ähnlich weiterzufahren. Die guten Vorsätze sind nach zwei Wochen wieder vergessen. Relativ schnell ist die Alltagsroutine wieder wichtiger als alles andere. 
Irgendwie war das Gespräch mit ihr anstrengend. Sie hinterliess mich etwas ratlos und mit weniger Energie, als ich ins Gespräch reingegangen war. Zwar versprühte die junge Unternehmerin durchaus Enthusiasmus und Begeisterung, aber sie wirkte irgendwie unglücklich und rastlos. Sie könne sich halt nicht entscheiden, es gäbe soviel Spannendes anzupacken, meinte sie. Ja, recht hat sie. Alles ist interessant, wir können tausend Dinge ausprobieren und immer schauen, was uns gefällt und was nicht. Kommen und gehen, endlos. Das Leben ist ein Spiel. 
Wirklich? 
Ja, für mich ist das Leben ein Spiel. Aber eines, welches nur unter einer Bedingung Spass macht. Und diese Bedingung ist unumstösslich geworden. 
Aber irgendwie scheinen ganz viele in der Hektik gefangene Menschen diese Bedingung nicht zu kennen, sonst wären sie nicht so gestresst. 
Die Bedingung heisst: Kenne deine oberste Priorität und handle konsequent danach.
Meine oberste Priorität ist seit langem mein Wohlergehen, meine Gesundheit, meine Entspannung, meine eigene innere Entwicklung. Das gehört alles zusammen. Es gibt nichts Wichtigeres, als sich zu kümmern um sich selber - wer soll es sonst tun.
Wie ich diese Priorität achte, beschreibe ich weiter unten. Seit ich das tue, fallen mir meine weiteren Entscheidungen leicht. Ich weiss, wenn ich zentriert und ausgeglichen und innerlich klar bin, bewusst und wach, dann passiert, wofür es im deutschen keinen Ausdruck gibt, nämlich „things fall in place“. Ich muss mir über das Weitere - alle die vielen Pläne und Projekte - nicht mal allzusehr den Kopf zerbrechen, denn ich glaube fest, dass alles funktioniert, wenn eben die Priorität, die Energie, das Vertrauen in mich und meine Intuition stimmen. Dass ich dann augenblicklich merke, wenn etwas zuviel ist. Dass ich merke, dass ich nicht ALLES tun kann, dass ich die richtigen Entscheidungen treffe. Das schulde ich mir selber dann. Denn in solcher Rastlosigkeit wie die junge Frau oben, möchte ich mich nicht durchs Leben bewegen. Ich mag im Einklang sein mit dem, was gerade ist und nicht immer wieder daran denken, wo ich sonst noch gerade sein sollte und was ich alles erledigen sollte. Eins nach dem Anderen. Mit Musse und Hingabe an den Moment.
Das Einzige und Wichtigste, was ich also tun kann, ist täglich, ja stündlich in innerer Verbindung zu sein mit dem, was (in mir) wahr ist. Das verstehe ich unter Achtsamkeit. Mit einigen Übungen, die ich in den letzten Jahren kennen lernen durfte, verbinde ich mich immer wieder mit meiner inneren Stimme. Auch während Meetings, während Gesprächen oder während den Pausen. So spüre ich stets, welche Entscheidung stimmig ist, welche Projekte passen und wo ich nein sagen möchte. Und das tue ich dann auch. Ich lasse mich nicht überreden zu etwas, das nicht hundertprozentig stimmt. Und wenn vordergründig alles stimmt und meine vorhandene Zeit nicht ausreicht, dann stimmt eben hintergründig doch nicht alles.
Seit ich meine oberste Priorität klar kenne, gönne ich mir auch einen gemächlichen Start in den Morgen, meditiere etwas, tanze oder mache etwas Yoga, esse fein und langsam zubereitetes Frühstück, checke meine Mails nicht und bleibe einfach eine Weile offline. Die einzige Connection, die in der Stunde nach dem Aufstehen passiert, ist diejenige zu mir selber. Die Stunde der Zentrierung. Wenn ich diese Zeit unterbreche mit Mails checken und Facebook scrollen, dann verliere ich schon am frühen Morgen die Ausrichtung, und ganz ehrlich, das ist es mir einfach nicht mehr wert. Im Gegenteil - ich tue heute das, was ich "Ausrichtung prüfen" nenne. Ganz bewusst hole ich mir ins Bewusstsein, mit welcher Haltung ich heute durch den Tag gehen möchte. 
Die Zentrierung fällt am frühen Morgen sowieso einfach, weil unser Körper noch die sogenannten „Alpha-Wellen“ im Gehirn produziert, welche uns in der rechten Hirnhälfte schwelgen lassen - uns also kreativ und phantasievoll in den Tag starten lassen. Oft fallen uns ja Lösungen genau dann ein.   
Meine Termine sind nie vor 9 Uhr angesetzt, das kann ich glücklicherweise so beeinflussen.
Abends genauso. Da schalte ich den Laptop gegen 19 Uhr aus, selten arbeite ich länger. Ich arbeite auch nie zwei Abende hintereinander lange, das ist für unseren Energiehaushalt schlecht und bringt die ganze Woche durcheinander (mehr darüber im Buch "Energiekompetenz" von der ETH - Dozentin Verena Steiner).
Mein Wifi stelle ich gegen 19 Uhr ebenfalls ab; denn der Abend gehört wieder den „Connections" im realen Leben. Und wie am frühen Morgen kommt nun wieder der Übergang in die Nachtstunden mit den sanfteren Energie-Phasen. Ich mag sie nicht mit TV schauen oder Arbeit am Computer überdecken, dafür sind sie zu schön, viel zu wertvoll.
Die Abendstunden sind gemäss verschiedenster Energie-Management-Studien die sinnlichsten Stunden des Tages - alle unsere Sinne sind hellwach! Wir sind empfänglich für feines Essen, schmecken es sogar intensiver als sonst. Wir haben einen ausgeprägteren Geruchssinn, unsere Augen mögen Kerzenlicht sehen, wir hören auch besser. Und unser der Tastsinn ist hellwach, wir sind empfänglich für jede Berührung. Natur, kochen, massieren, essen, tanzen, malen, schreiben, zuhören, spazieren, lachen, wahrnehmen, küssen ... es gibt Sovieles zu geniessen in den schönen Abendstunden! Geben wir uns dafür Zeit!
Geniessen wir unsere Sinne und lassen uns die Sinnlichkeit nicht entgehen! 
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