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Jetzt mal ehrlich!

Bewerbungs-Prozesse der neuen Art - auf Augenhöhe

"Achte Dich und Du wirst geachtet". Diesen Slogan habe ich kürzlich irgendwo gelesen. Und ich fand, genau das ist es, was heutige Bewerbungsprozesse charakterisiert. Es geht um die Augenhöhe im Vorstellungsgespräch und in der gesamten Kommunikation, die zwischen Bewerbern und Unternehmen abläuft. Und es geht um das, was noch vor der Achtung passiert. Doch davon gleich. Das Wort "achten" übrigens, es stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet auch Ehrung, Respekt.

Und wenn ich von Achtung im Bewerbungsprozess schreibe, weiss ich, das tönt nach etwas Altem und ist trotzdem noch immer relativ neu.

Augenhöhe? Authentizität? Ehrlichkeit? Diese Werte sind erst seit wenigen Jahren in aller Munde und in gewisse Unternehmen haben sie noch keinen Einzug gehalten. Aber diese Unternehmen sollen uns hier nicht interessieren, denn für sie möchte man/frau heute nicht mehr arbeiten. Glücklicherweise erfahre ich in meinen Coachings von vielen Positivbeispielen im Stellenmarkt und kenne zahlreiche - oftmals jüngere, kleinere - Unternehmen, wo Authentizität, Kompetenz und Ehrlichkeit geschätzt werden.

Diese Unternehmen haben verstanden, dass auch sie sich beim Kandidaten, der Kandidatin, bewerben müssen. Jede Bewerbung passiert gegenseitig. Die Vorgesetzte bewirbt sich immer auch beim Kandidaten und die Kandidatin beim Vorgesetzten. In diesem Blogpost schreibe ich über Bewerbungsprozesse in Unternehmen und HR-Abteilungen, die dies wissen und umsetzen. Es werden immer mehr.

Zurück zur Achtung also. Gegenseitige Achtung beginnt lange vor den Vorstellungsgesprächen. Sie beginnt nämlich mit der Selbstachtung, ist also eine Frage der inneren Haltung. Sie fängt an mit der Frage, wer man eigentlich ist. Welche Werte vertrittst Du? Was ist Dir wirklich wichtig im Leben? Wofür stehst Du ein? Was sind Deine Stärken? Deine Schwächen? Deine Haupt-Kompetenzen?

Wer dies benennen kann, wer sich also selber kennt, wird entsprechend authentisch auftreten können. Dann ist man sich seiner selbst bewusst. Selbst-bewusst im wahrsten Sinne des Wortes. Und ein gesundes Selbstbewusstsein hat nichts zu tun mit Überheblichkeit, Arroganz oder allzu sicherem Auftreten. Sich hingegen selber zu kennen, sich zu vertrauen, sich zu achten, das ist das Wichtigste im gesamten Prozess!

Wer hingegen noch mit schwitzigen Händen glaubt, er oder sie müsse dann an Tag X unbedingt alle Interviewpartner von sich überzeugen (und es sich selber nicht zutraut), der steht auf verlorenem Posten. Wenn Du weisst, was Du zu bieten hast, wo Deine Stärken und Schwächen liegen, und dabei kompetent und freundlich-professionell auftrittst, hast Du keinen Grund zum Zweifel an Dir und brauchst keine gewiefte Strategie und auch kein mehrstündiges Auftritts-Training.

Deine Arbeit an der inneren Haltung bestimmt also den ganzen Bewerbungsprozess. Bitte vergiss nie, wie wichtig das ist.

Wenn Du nun also deine Werte kennst, wenn Du weisst, worin Du kompetent bist und was Du tun möchtest in deiner beruflichen Zukunft, dann - und erst dann - wirst Du dich auf die Suche nach einer Herausforderung machen, die Dir entspricht. Wo Deine Kompetenzen gefragt sind. Deine Einzigartigkeit. Wo Du keine Kompromisse eingehen musst, die Dich krank oder unglücklich machen.

Du wirst heute ganz anders nach einer Arbeitsstelle suchen, als man es noch vor wenigen Jahren tat. Nämlich von innen heraus.

Du lässt es nicht mehr nur auf Dich zukommen, quasi zufällig.

Du suchst nun aktiv nach einer Unternehmung, die auch deine Werte vertritt.

Du wirst über neue Bewerbungskanäle auf Arbeitgeber stossen, die nicht 0815 sind. Du wirst Bekannte aufmerksam machen auf deine Kompetenzen und dich in den richtigen Foren, Gruppen und Netzwerken aufhalten, um dort aufzufallen. Online und offline. Du wirst Jobsuchmaschinen sehr gezielt nutzen und mit Keywords arbeiten. Du wirst Research machen, aktiv suchen und suchen lassen, vielleicht von Personalberatern oder Coaches, die Dich wirklich verstehen. Und bei all deinen Aktivitäten im Aussen vergisst Du nicht, was Dir wirklich wichtig ist und wofür Du einstehst.

In einem nächsten Schritt hast Du Deine Bewerbungsunterlagen und allenfalls deine Social-Media-Profile (LinkedIn, XING, etc.) optimiert. Sie stellen Dich dar mit vielen deiner Facetten. Dein Lebenslauf ist deine personalisierte, individuelle, aussagekräftige Visitenkarte und nicht ein normiertes Dokument, wie es früher oft der Fall war. Früher sahen Lebensläufe alle fast gleich aus, heute darf man kreativ sein. Bringe Dich ein, zeige Dich! Sei Dich selbst.

Ehrlichkeit zahlt sich auch hier aus, Lücken im Lebenslauf beispielsweise sind heute nicht mehr negativ, keinesfalls. Im Gegenteil, Reisen, Sabbaticals, Weiterbildungen - sie wecken Interesse, zumindest wenn der rote Faden im Rest des Lebenslaufs gegeben ist.

Ein paar weitere Tipps oder Reminder zu Lebenslauf und Motivationsschreiben gebe ich Dir hier gerne mit:

* Schreibe die Personen im Motivationsbrief immer mit Namen an. Recherchiere, wenn nötig. "Sehr geehrte Damen und Herren" ist unpersönlich und kommt nicht gut an.

* Der Motivationsbrief muss individuell sein. Bitte verwende keine Vorlagen oder früheren Briefe. Jede Bewerbung verdient einen eigenen Motivationsbrief. Du solltest auf die Firma oder die Stelle eingehen, einen Bezug herstellen zu deinen Kompetenzen. Schreibe nicht nur über Dich, sondern stelle Verbindung her.

* Sei trotzdem nicht zu ausführlich - der Motivationsbrief wird eher gelesen, wenn er kürzer ist. Er ist auch interessanter, wenn Du kurz und prägnant schreibst. Lange, hohle Phrasen werden nicht geschätzt.

* Komm auf den Punkt - auch im CV. Du weisst bestimmt, die Verantwortlichen, die deinen Lebenslauf durchsehen, haben nur 1-3 Minuten pro Lebenslauf zur Verfügung. Es ist eine grosse Stärke, auf den Punkt zu kommen; den roten Faden im CV klar darzustellen und nicht zuviel an Information verpacken zu wollen. Weniger ist auch hier mehr.

* Das Foto. Vieles wurde schon dazu gesagt, vieles kann man falsch machen. Bitte kein Hobby-Foto, auch kein zu steifes Anzug-Foto und genauso wenig ein Foto, das die ganze Seite überspannt. Ein professionelles Foto, vielleicht in einem breiteren Format, ein nettes Lächeln in schöner Kleidung, aber auch nicht zu gestellt. Je authentischer, desto besser, das gilt auch hier.

Dann kommt es zum Vorstellungsgespräch. Und auch hier ist vieles anders. Es geht nicht mehr darum, Dich zu verkaufen, zu verstellen oder eine Rolle zu spielen. Es geht heute darum, authentisch zu bleiben. Freundlich zu sagen, was gefällt, was nicht gefällt, was Du bieten kannst, was nicht. Sprich aus, was Dich interessiert und wo Du dich wie einbringen könntest. Zeige Dein Interesse am Gegenüber, beginne Fragen zu stellen.  

Deine Ecken und Kanten darfst Du auch zeigen. Es geht schliesslich immer in erster Linie um den Menschen. Darum, wofür man heute steht, was man bewegen möchte. Dein Interview-Partner ist Dir dankbar, wenn Du authentisch bleibst und Dich so zeigst, wie Du bist. Taktieren, Spielchen spielen, sich über oder unter Augenhöhe präsentieren - das war gestern.

Dein authentisches Auftreten ermöglicht deinem Gegenüber dasselbe und so entstehen die spannenden Gespräche auf Augenhöhe. Dabei ist Selbst-Bewusstsein der Schlüssel, Ehrlichkeit das "Transportmittel", Perfektionismus hingegen out.

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