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Inne halten - Warum ich heute mehr Zeit habe als jemals zuvor

Ein Leben ohne inne zu halten ist für mich keine Alternative mehr. 

In einer hektischen Zeit, einem abwechslungsreichen Alltag, wo an einem Nachmittag soviel passiert wie früher in einer Woche, ist es für mich pure Notwendigkeit geworden, Pausen zu machen und still zu sein. Ganz bei mir zu sein, mich mit niemandem zu unterhalten.

Was für ein wunderschön tiefsinniger Ausdruck: "inne halten"! 

Nach innen schauen. Und anhalten. 

Gegenteile davon sind:
Halt-los sein.
Unge-halten sein.
Keinen Halt haben.
Mir fällt in meinem Coaching-Alltag oft auf, wie sehr uns dieses Nichtstun, das Still-Sein heute abhanden gekommen ist. Dass wir in Zeitalter von TV, Handy, Internet kaum "inne halten". Dass wir all unsere Eindrücke so aber auch nicht wirklich verdauen können, wenn wir uns immer ablenken. Dass wir in einer sehr reizüberfluteten Zeit leben und Vieles unüberlegt mitmachen. Dass uns dabei etwas verloren geht. Nämlich der Bezug zu uns selber.
Mir selber fiel das Still-Sein, die Kontemplation, auch nicht immer leicht. Ich habe es gern, wenn etwas läuft, ich mag Neuigkeiten und Abwechslung, kann mich gut an Veränderungen anpassen. Mir wird es auch eher rasch langweilig. Und ich habe eine sehr laute Verstandes-Stimme, die mich zu Aufbruch, Unternehmungen, Neuem drängt. Die nicht ruhig sein will! Die vorwärts kommen willen und Pausen nicht cool findet.
Nun reagiere ich aber auch recht stark auf Multitasking, Hektik, Stress, Lärm, ungesunde Energien. Früher dachte ich, ich sei supersensibel und das müsste sich ändern, so gehe das doch nicht - heute sehe ich das als Vorteil. Meine Sensibilität zwingt mich in die Ruhe, zwingt mich zu Pausen, und lässt mich ankommen.

Ungern reflektiere ich all die Schwierigkeiten, die früher auftraten (und auch heute gelegentlich noch auftreten), wenn ich mir keine Zeit nahm, in mich hinein zu hören! Dadurch verstrickte ich mich immer mal wieder in meinen unbewussten Bewertungen, Kriterien, Erwartungen und Gefühlen. Meine Grenzen waren mir selber unklar und dadurch auch für andere Personen nicht wirklich wahrnehmbar. Sie wurden oft überschritten, von mir selber und von der Person, der ich es erlaubte. Und ich merkte das Ganze jeweils erst, wenn mir alles zuviel wurde.  

Im Unterschied zu früher achte ich heute auf meine Energie, ich erkenne frühzeitig, wann es Zeit ist für Ruhe und Rückzug. Es ist eine Erleichterung, nicht immer an die Grenzen gehen zu müssen.

Dank der Kenntnis meines Biorhythmus und meiner Energiekurve einerseits und dank praktischen Achtsamkeits-Übungen andererseits nehme ich heute Vieles frühzeitig wahr, habe ich ein Sensorium entwickelt für meinen Körper und meine inneren Stimmen. Ich merke ganz genau, wann es Zeit ist für eine Pause. Und ich mache sie. Immer. Ich weiss, dass ich abends nicht allzu lange vor dem Laptop sitzen kann, weil ich sonst nicht abschalte - die Energien bleiben im Kopf und verhindern dadurch Entspannung. Schlaf ist dann schwierig, wenn die Energie nicht tief in den Körper sinken kann.

Viel regelmässiger bin ich letzter Zeit einfach ruhig gewesen und habe nichts getan. Wenn ich "nichts" schreibe, meine ich das so: Ich lese dann kein Buch, höre keine Musik, rede nicht mit Anderen. Ich sitze in Stille. Und jedes einzelne Mal, wenn ich wirklich inne gehalten habe, bemerkte ich eine feine Stimme, die glücklich war, einfach zu SEIN. Es sind diese Momente, wo der Akku aufgeladen wird, wo vieles verarbeitet wird. Wo auch ein intensiver, warmherziger, aufmerksamer Bezug zu sich selber wiederhergestellt wird.

In dem Sinne fahre ich einfach so weiter - höre auf meinen Körper, wenn ihm alles zu viel ist. 

Schenke mir täglich Momente nur für mich, in denen ich nichts tue.
Schätze meine Sensibilität, weil sie nichts Schlechtes ist, sondern ein Hinweis für ein manchmal zu kurz kommendes Bedürfnis, demjenigen nach Ruhe, nach Rückzug. 

Jede Minute, die ich in Stille investiere, ist richtig eingesetzt. Inne zu halten hilft mir, einen klaren Verstand und ein lebendiges Herz zu bewahren – und zu wissen, wie ich rausfinde, wenn ich mich wieder mal zu sehr in Gefühlen oder Gedanken verstrickt habe.

Ich weiss heute auch, dass die gerade vorherrschenden Gefühle und Gedanken in meinem Kopf und Herz durchaus in Ordnung sind - sie müssen jetzt nicht anders sein. Im Nachhinein ist mir klar, wie viel Energie ich früher verlor, weil ich gegen Gedanken ankämpfte. Wie wenig ich noch vor zehn Jahren über Gefühle und Gedanken wusste - und über meinen Körper, der all die inneren Kämpfe ja in unangenehmster Weise zu spüren bekam. Ich war zutiefst identifiziert mit meinen Gedanken, Gefühlen und meinem Körper. Heute aber "habe" ich Gedanken; ich "bin" sie nicht. Das gilt auch für die Gefühle und den Körper. 

Indem ich heute in der Stille meinen Gefühlen und Gedanken Beachtung schenke, sie aber nicht über-wichtig nehme, müssen sie weniger aktiv auf sich aufmerksam machen; sie werden wahrgenommen, angehört und dann losgelassen - es gibt weniger inneren Kampf um Aufmerksamkeit. 

Das macht mich freier, entspannter, klarer. Ich bin nicht mehr ein Produkt meiner Launen.

Heute habe ich auch mehr Zeit zu meiner Verfügung. Weil ich mir in wichtigen Momenten Zeit nehme. Weil ich regelmässig innehalte und mir die Frage stelle: Möchte ich das nun tun? Entspricht es mir? Mache ich es mit Freude und Wertschätzung?

Ich kann so besser nein sagen, wenn mir etwas nicht entspricht. Weil ich mich zuerst mit mir selber verbunden habe. Heute spüre ich intuitiv sehr schnell, was richtig und wichtig für mich ist. Dies habe ich während mehreren Monaten geübt und mittlerweile kann ich die Stimme der Intuition gut von allen anderen unterscheiden und ihr vertrauen.

So tue ich heute fast nur noch Dinge, die mir wirklich wichtig sind. Viele Anfragen lehne ich ab. Wenn sie mir Energie rauben, keine Freude machen, meine Lebenslust nicht erhöhen, wüsste ich nicht, warum ich sie erledigen sollte. Ich spreche hier von geschäftlichen Projekten und auch von privaten Kontakten und Erwartungen. Von Taten, die von mir erwartet werden, nur deshalb, weil sie Konventionen entsprechen, ziehe ich mich zurück. Ich bin eine Meisterin geworden im bewusst Entscheiden & Wählen, im Nein-Sagen, im Vertrauen auf die Richtigkeit dieser inneren Entscheid. Doch den Begegnungen und den Projekten, die sich richtig anfühlen, diesen widme ich mich mit voller Aufmerksamkeit und ganzem Herzen.

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