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Erfüllt bei der Arbeit: Wie finde ich heraus, was mich wirklich berührt?

Der innere Kompass und das Gedankenspiel

Weisst Du, was Du wirklich, wirklich willst?

Etwa fünfzehn Jahren ist es her, da habe ich meine erste Arbeitsstelle als Journalistin angetreten, damals parallel zum Studium. Rückblickend betrachtet ein absoluter Glücksfall, weil ich eigentlich keine Ahnung hatte, damals mit zwanzig, was ich eigentlich von der Arbeit erwarten, was ich gern tun oder wo genau meine Talente liegen würden. Ich sprang einfach ins kalte Wasser und hatte auch recht viel Glück. Die Arbeit entsprach meinen Fähigkeiten, war vielseitig und spannend und dementsprechend blieb ich sechs Jahre lang für diese Tageszeitung tätig.

Auch später war ich eigentlich immer in der privilegierten Situation, dass ich gute Arbeitgeber hatte, mit Freude arbeitete. Es gab selten ein Motivationsproblem. Trotzdem muss ich rückblickend sagen, dass ich eigentlich keine Ahnung hatte, was ich gern tat, aber oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.

Welche Tätigkeit machst Du von Herzen gerne?

Heute rate ich nicht nur meinen Klienten im Coaching, sich intensiv mit den untenstehenden Fragen zu befassen. Ich habe sie auch für mich wiederholt und intensiv beantwortet, oder beantworten müssen.

Denn es gab eine Zeit, es ist nicht allzu lange her, da drängten sich diese Fragen in den Vordergrund. Trotz Selbstbestimmung und Erfolg in meiner eigenen Firma fiel ich langsam in ein Motivationsloch und kam einfach nicht mehr richtig vorwärts. Alles war mühsam, es harzte, ich war antriebslos. Das kam schleichend, ich nahm es zuerst gar nicht so wahr. Aber irgendwann wurde mir klar, dass ich nicht halb so erfüllt, berührt, glücklich mit meiner Arbeit war, wie ich es mir für mich erträumte.

Speziell an meiner Situation war, dass ich zu hundert Prozent selber für meine berufliche Erfüllung und mein Wohlergehen zuständig war und bin. Ich bin nicht abhängig von Entscheiden anderer Menschen, sondern kann eigentlich alles selber bestimmen. Ich kann, kurz gesagt, tun und lassen, was ich will und niemand redet mir drein. Das führt aber auch dazu, dass ich niemandem die Schuld in die Schuhe schieben oder mich verstecken kann. Für meine Erfüllung bin ich ganz alleine zuständig.

Das kann durchaus auch mal schmerzhaft sein, da ich von Natur aus sehr hohe Ansprüche an die Verwirklichung meiner Wünsche habe, nicht bereit bin, mich abzufinden mit einer Tätigkeit, die mich nur teilweise erfüllt. Ich bin da eher kompromisslos und weiss auch, dass das viele Menschen nicht können und dass eine solche Situation ein Privileg ist - aber immerhin eines, das ich mir selber geschaffen habe. Und gerade diese vielen Möglichkeiten machten es mir so schwierig. Das Gedankenspiel um die Fragen "was möchtest Du bis zum nächsten runden Geburtstag verwirklicht haben" oder "wenn Du auf dem Sterbebett liegen würdest..." fiel mir nicht leicht, weil ich es wirklich gründlich betrachtete und Konsequenzen ziehen wollte. Es war mir ernst mit einer langfristigen Veränderung, es war nicht ein hypothetischer Gedanke, eine Luftblase, denn ich weiss, ich bin eine Person, die umsetzt, was sie umsetzen muss.

Wie sehen sie denn aus, Deine Wünsche?

Wenn ich also mein Leben neu gestalten könnte, was würde ich am allerliebsten tun? Was würde mich wirklich von innen heraus glücklich machen? Was würde mich echt berühren? An dieser Frage blieb ich lange hängen. Zwar wusste ich, ich müsste nicht das Rad neu komplett neu erfinden und würde zu Beginn einfach ein gewisses Pensum meiner Zeit in neue Projekte fliessen lassen. Ich würde nicht alles Alte hinschmeissen. Trotzdem war die Frage nach der grünen Wiese so wichtig. Ich begann zu realisieren, dass ich gar nicht genau wusste, was meine echten Wünsche waren. Was wollte ich vom Leben? Von der Arbeit? Konnte ich das überhaupt noch trennen? Fragen über Fragen. Aber immerhin, Ich wusste bereits, was ich gut kann, was ich gerne tue. Aber die Frage nach der Berufung, der Erfüllung, einer wirklich starken Berührung und Identifizierung mit meiner Tätigkeit schien mir lange unbeantwortbar. Teilweise stand ich mir selber im Weg und dachte, meine Wünsche seien halt zu fern oder nicht realistisch und darum schwer fassbar. Aber nein, wenn ich ehrlich war, kannte ich sie einfach nicht. Ich hatte die Frage nie nah genug an mich herangelassen, war noch nicht mutig genug, so gross zu denken. Es war zuerst nötig, dass ich noch ein paar Menschen traf, die ihr Leben bereits völlig frei gestalteten, viel reisten, auf ihren inneren Kompass vertrauten, dadurch völlig anders und selbstbestimmt lebten, innovative Produkte kreierten, Konventionen brachen und mich damit inspirierten.

Wenn ich neu starten könnte, würde ich...?

Ich wagte mich dann an die Fragen heran. Dabei nahm ich mir recht viel Zeit. Ich schrieb viel, beantwortete meine Fragen schriftlich, immer wieder, mehrmals die selben. Unter anderem fragte ich mich:

* Was sind meine beruflichen Wünsche?

* Was berührt mich bei der Arbeit am meisten?

* Was berührt mein Leben am meisten?

* Will ich Leben und Arbeit noch trennen?

* Was sind meine Werte?

* In welchem Umfeld fühle ich mich wohl?

* Welche Stärken und Interessen habe ich?

* Was gibt mir Energie?

* In welchen Situationen habe ich mich sehr inspiriert gefühlt, war voller Tatendrang und Energie?

Wie gesagt, es dauerte eine Weile, diese Fragen zu beantworten. Ich meditierte und tat manchmal auch nichts, weil ich nur aus der Ruhe heraus, ohne Ablenkung, an die Essenz herankommen würde. Es half mir auch, mich mit meinem Körper zu verbinden, aus dem Kopf "rauszukommen", mich ganzheitlich wahrzunehmen. Nie habe ich soviel getanzt und gewandert - für meine Verwurzelung - wie in dem betreffenden halben Jahr. Ich habe mich auch mit den Elementen in der Natur verbunden, das hat mir ebenfalls geholfen.

Die Antworten kamen nicht aus dem Kopf. Mein innerer Kompass begann, zu steuern.

Zudem musste ich mich damals auch der Leere stellen. Das Gefühl des Nicht-Wissens aushalten. Das war das Schwierigste, hat aber rückblickend betrachtet viel Erleichterung gebracht. Nicht Wissen ist nicht schlimm, auch wenn es so scheinen mag. Die Antworten stellen sich ein, wenn dieser Zustand ausgehalten wird. Zu mir fanden die Antworten mit der Bereitschaft, die Leere und das Nicht-Wissen anzunehmen, und es war wichtig, diesen Prozess nicht künstlich zu beschleunigen mit Aktivismus. Die ganz sanften Impulse dann allmählich in erste Schritte umzusetzen. Nicht gleich ein riesiges neues Projekt zu starten, sondern einfach dem inneren Kompass gemächlich in die neue Richtung zu folgen und diesen unvertrauten Weg so gut es ging vertrauensvoll zu begehen. Dabei habe ich übrigens auch die bisherige Haupttätigkeit von einem neuen Blickwinkel aus betrachten und neu zu schätzen gelernt. Heute kombiniere ich das Neue und das Alte und lasse es gemächlich seine Form finden, ohne Anspruch, dass schon heute alles rund sein muss. Auch das Halbrunde gilt es auszuhalten.

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