Return to site

Die dreieinhalb besten Bücher, die ich im letzten Halbjahr las

Meistens lese ich parallel. Es liegen immer 4-5 Bücher auf meinem Nachttisch, und eines ist zusätzlich griffbereit in meiner Handtasche. Dann lese ich abwechslungsweise nach Lust und Laune in all diesen Büchern. Und gelegentlich passiert es, dass mich ein einziges Buch derart fesselt, dass die anderen warten müssen, bis dieses eine zu Ende gelesen, zu Ende genossen ist. Das ist mir dieses Jahr bereits dreimal passiert. Für jedes einzelne bin ich dankbar. Heute möchte ich Euch diese packenden Bücher zu Herzen legen, vielleicht als Inspiration oder als Ferienlektüre. Und einen halben Punkt gebe ich für ein Buch, das sich gut zum immer-wieder-darin-stöbern eignet.

Meine Nummer 1: "Tosende Stille" von Janice Jakait

Ich bin sehr erfreut, habe ich dieses Buch per Zufall entdeckt. Eine Freundin hatte mir den Link zu einem Youtube-Vortrag von Janice Jakait geschickt, und nachdem ich mir diesen angesehen hatte, wollte ich unbedingt das Buch dazu lesen. Es ist fesselnd vom ersten Augenblick an. Mit Tiefgang. Und es erzählt eine wahre Geschichte. Die 38-jährige Naturwissenschaftlerin hat als erste Deutsche den Atlantik in einem Ruderboot überquert - ganz alleine, ohne Begleitboot. Und von diesen drei Monaten allein auf hoher See erzählt sie in ihrem Erstlingswerk. Sie schildert schonungslos ihre Ängste und Strapazen, die inneren und äusseren Schwierigkeiten auf dem Meer. Janice Jacait, die noch nicht mal gut schwimmen konnte, wagte es, mit reiner Muskelkraft ihr Boot von Portugals Küste bis nach Barbados voranzutreiben. Wie sie die inneren Prozesse beschreibt, wie sie lernt, sich der Allgewalt der Natur hinzugeben, wie sie die Schönheit der Stille entdeckt, aber auch, wie sie mit dem Lärm zu kämpfen hat, das alles hat sie nachvollziehbar, packend, auch humorvoll beschrieben. Weil Jakait keine Extremsportlerin war, in Deutschland in einem ganz gewöhnlichen IT-Job arbeitete und innerlich auf der Suche nach Wahrheit war, kann man sich sehr gut mit ihr identifizieren. Dieses Buch rüttelt auf, macht Mut, und es macht Spass, es zu lesen.

Meine Nummer 2: "Work is not a job" von Catharina Bruns

Dieses Buch habe ich nun gerade zum zweiten Mal gelesen. Es ist inspirierend, leidenschaftlich und provokativ geschrieben und ich ertappte mich praktisch auf jeder Seite, wie ich am liebsten laut "JA! Sie hat so recht" gerufen hätte. 

Irgendwann kommt jeder Mensch an einen Punkt in seinem Leben, wo er den Sinn der fremdbestimmten Arbeit hinterfragt. Wo er erkennt, dass das klassische Nine-to-Five langfristig nicht befriedigt, geschweige denn glücklich macht - Bruns' Plädoyer für Eigenverantwortung, Kreativität, Selbstständigkeit und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten liest sich wie ein immenser Mutmacher für Aussteiger und Umsteiger. Auch wenn ich persönlich diesen Schritt in die Selbstständigkeit schon vor einigen Jahren gegangen bin, aus so ziemlich denselben Gründen wie Bruns, ist das Buch in seiner Klarheit und Stringenz einfach eine riesige Bestätigung. Auch hier ist mir wichtig zu erwähnen, dass Bruns keineswegs die Selbstständigkeit verherrlicht. Sie weiss von dem Weg, der voller Stolpersteine liegt, und schildert diese auch. Zeitgleich analysiert sie glasklar und überzeugend die gesellschaftliche Arbeitssituation in Westeuropa und beschreibt, warum ein "Leben auf Autopilot" keinen Spass macht. Warum vielmehr das Mindset eines Entrepreneurs zu Lebendigkeit, Lebensfreude und Sinn im Leben verhilft. Warum es wichtig ist, seine Träume kennen zu lernen, an seine Talente zu glauben, sein Herz zu öffnen und ein Leben mit Leidenschaft zu leben, das schildert Catharina Bruns mit echter Begeisterung und Überzeugung.

Meine Nummer 3: "Slow" von Winfried Hille

Zuerst war ich etwas skeptisch, das muss ich zugeben. Ich kenne mich gut aus mit Philosophien und Büchern, welche sich mit der Zeit, der Langsamkeit, der Langeweile oder der Musse auseinandersetzen und halte dazu ja auch Seminare. Karlheinz Geissler, Verena Kast, Hartmut Rosa etwa sind Autoren, die hierzu viel Erkenntnisreiches publiziert haben. Braucht es dazu noch ein weiteres Buch? Und doch war ich überrascht von "Slow". Das Buch ist ein wahres Plädoyer für mehr Langsamkeit. Hille macht unmissverständlich klar, dass das Slow-Konzept eigentlich Widerstand und Verweigerung in unserer Gesellschaft bedeutet. Und er beschreibt das auf eine humorvolle, sympathische Art, die aber die Zusammenhänge sehr deutlich aufzeigt. Und die Notwendigkeit betont, sich immer wieder bewusst rauszunehmen aus dem Alltag mit Smartphone und Co. In den drei Tagen, in denen ich Hille's Buch las, liess ich mein Handy jeweils zuhause. Ich benötigte es nicht zwingend bei der Arbeit, aber wollte sehen, was dies mit mir macht. Nun - ich konnte erstaunlich gut darauf verzichten und diese Erkenntnis hat mich mehr gefreut, als ich zuerst annahm. Ich fühlte mich frei, selbstverantwortlich und glücklich. Heute bin ich wieder ohne iPhone unterwegs.

Mir gefallen an dem Buch die persönliche Note, die vielen praktischen Anregungen, die klare Analyse des Zeitgeistes - und auch dass Hille nicht abstrakt vom Zeitbegriff spricht, sondern immer wieder aufzeigt, was unser Umgang mit der Zeit mit unserer Seele zu tun hat. Diese  Komponente, die er aufgreift, fehlt mir in vielen anderen Werken, und das ist mit ein Grund, warum mir dieses Buch aus der Seele sprach.

"Freut euch nicht zu spät", auch von Janice Jakait

Das zweite Buch von Janice Jakait ist ebenfalls sehr lesenswert. Es ist diesen Frühling erschienen und blickt zurück auf die Zeit nach der Atlantik-Überquerung, die die Autorin vor drei Jahren geschafft hatte. "Warum das zweite Leben beginnt, wenn man begreift, dass man nur eines hat". So heisst der passende, schöne Untertitel, der schon erahnen lässt, worum es geht. Wie ist es Jakait ergangen, nachdem sie in Barbados ankam und scheinbar die grössten inneren Kämpfe erfolgreich gemeistert hatte? Jakait schreibt, dass die Zeit danach sehr schwierig war. Und dieses Buch schildert ihre persönlichen Lernerfahrungen. Die Autorin beschreibt leidenschaftlich ihre Transformation; sie gibt weiter, was sie erfahren und verstanden hat, wie sie heute achtsamer durch ihren Alltag geht. Es ist ein spirituelles Buch und gefiel mir sehr gut. Im Vergleich zum ersten Werk las ich es nicht in einem Zug durch, es ist eher ein Buch, in dem man immer wieder stöbern kann. Darum gebe ich einen halben Punkt.

All Posts
×

Almost done…

We just sent you an email. Please click the link in the email to confirm your subscription!

OKSubscriptions powered by Strikingly