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Das Geschenk des Nicht-Wissens

Oder warum First-Class-Flüge für mich nicht erstrebenswert sind

In den letzten zwei Monaten war ich selten online. Habe Facebook und allgemein die Medien zwar nicht aktiv gemieden, aber das Bedürfnis, sie zu konsumieren, rückte ziemlich in den Hintergrund. Über die schönen Beweggründe für diesen Rückzug schreibe ich ein andermal.

In dieser Zeit habe ich einige intensive Begegnungen genossen, für die ich zutiefst dankbar bin und die mir das Geschenk der Wahrhaftigkeit gemacht haben. Und von Tiefe, Klarheit, Weisheit. Es wurden mir die Geschenke des wahren SEHENS und des tief gesehen WERDENS offenbart. Nicht-Identifikation mit dem, was ist. Stilles Beobachten, Bewusstsein, Wach sein, das Erleben von tiefem innerem Frieden und Verbundenheit auch in unruhigen Zeiten. Und gleichzeitig - und das ist kein Widerspruch - die totale Annahme von allem, was ist. Pure Hingabe. Hingabe ans Fühlen, Wahrnehmen, ohne mich darin zu verlieren. Die Wellen des Lebens geniessen und dabei klar und entspannt bleiben. Die Gedanken wurden weniger wichtig, die Meinungen, die Standpunkte. Die Pläne, Konzepte und Ideen ebenfalls. Viel Nicht-Wissen, Nicht-Wissen-Müssen. Was weiss ich denn schon! :)

Stattdessen viel Glückseligkeit im Moment. Sanfte Wahrnehmung des Körpers und seiner Impulse.

Heute ging ich dann wieder mal auf Facebook und es sprangen mir ein paar Posts und Werbeanzeigen von vermeintlich unglaublich erfolgreichen Millionen-Business-Coaches entgegen. "Lebe dein unwiderstehlichstes Leben". "Sei glücklich, sexy, erfüllt und erfolgreich" und "wie Du in einem Jahr ein siebenstelliges Business aufbaust" und so weiter und so fort. Ein Businesscoach schreibt auf seiner Webseite zuoberst, er fliege gern First Class.

Ich lächle.

Austauschbare Schlagzeilen. SCHLAG-Zeilen.

Warum nicht einfach zufrieden sein mit dem Moment?

Warum immer nach mehr streben?

Etwas erreichen müssen?

Macht das glücklich?

Ständig in der Zukunft zu leben, nie im Moment?

Ich finde es auch schön, wenn man sich Ziele setzt. Wenn man Visionen und Werte hat und sich an diesen orientiert. Das ist der klassische männliche Weg, er beinhaltet Leistungsorientierung, vorwärts kommen, aktiv sein, und er dominiert unsere Gesellschaft. Doch wenn der weibliche Weg dabei vernachlässigt wird, gerät alles ausser Balance, wie wir schmerzhaft beobachten. Der weibliche Weg ist der Weg der Annahme, der Entspannung in den Moment, auch der Intuition, der Verbindung, des Vertrauens in den richtigen Moment. Er ist nie verbissen oder verkrampft, sondern er fühlt, was gerade wichtig und richtig ist. Er ist nicht dogmatisch, eher fliessend-ruhig. Er ist sanft.

Ich realisiere immer mehr, wie wenig ich weiss. Und dass ich auch nicht wissen muss. Demut gegenüber der Natur und dem, was mich umgibt. Ich vertraue viel stärker, dass zu mir findet, was zu mir finden soll. Und dass das Leben es immer am besten weiss. Allzu stark kann und will ich nicht mehr planen, steuern, kontrollieren. Hingabe und Vertrauen fühlen sich einfach viel entspannter an :) Und in diesen Qualitäten öffne ich mich für die Geschenke des Lebens. Sie sind zahlreich.

Gleichzeitig schätze ich stark Bewusstheit, Echtheit, Wahrheit und Intuition. Sowohl meine eigene wie auch die von meinem Gegenüber. Nicht nur wünsche ich mir Authentizität, dieses in-Wort, sondern vielmehr Wahrhaftigkeit. Meine innere Wahrheit zu spüren, auszudrücken und zu leben bedeutet, mich nicht mehr zu verstellen. Ernst zu bleiben, wenn ich es bin. Keine freundliche Maske aufzusetzen. Auch leicht und unbeschwert zu sein, wenn ich es bin. Nicht recht haben zu müssen. Immer zu sein, was gerade da ist. Und wenn das jede Minute etwas Anderes ist, auch gut. Das mir zuzugestehen und diese Echtheit zu verkörpern.

Bewusstheit erleben. Wach sein. Wahr sein. Echt sein. Ganz präsent im Moment sein, sich nicht verlieren in Gedanken, im Gegenüber, in den Umständen. Sich wirklich in die Augen sehen und vielleicht dort auch Bewusstheit entdecken. Oder Verspieltheit, Leichtigkeit, Dankbarkeit. Nichts immer mit Worten etwas sagen müssen oder wollen. Versinken in die Ruhe und Schönheit und Unendlichkeit, die Augen-Blicke uns erahnen lassen. Das ist, was für mich zählt. Da kann ich glückselig auf jeden First-Class-Flug verzichten :)

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