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"Bist Du Feministin"?

Antworten auf ein paar wichtige Fragen

"The future of feminine" ist der Titel meines Programms und ich veranstalte "Women's Circles". Die beiden Begriffe stossen immer auf offene Ohren und Neugierde, manchmal auch auf Skepsis oder Vorbehalte. Es ist fast egal, wem ich es erzähle: die Person reagiert darauf und möchte meistens mehr erfahren. Und ja, es sind Begriffe, die Geheimnisse versprechen, einerseits.

Andererseits haben viele Menschen auch schon gewisse Vorstellungen, Bilder, Ahnungen, Träume, Ängste oder Hoffnungen, was in so einem Frauenkreis Mysteriöses geschehen könnte. Und diese Vorstellungen sind so unterschiedlich und vielseitig und haben manchmal so wenig mit meinen Circles zu tun, dass ich hier ein bisschen verraten möchte, darüber, was in meinen Frauenkreisen geschieht - und vor allem auch über meine Überzeugungen dahinter schreiben will.

Zuerst dies: Es ist für mich klar, dass unsere Bewusstseinsentwicklung, hin zu einem wahrhaftigen, weisen, erwachsenen, selbstwirksamen Menschen, immer an erster Stelle steht. Ich schreibe Mensch, nicht Mann oder Frau, denn es geht in diesem Prozess um Humanismus. Self-Mastery ist der Schlüsselbegriff oder das Ziel.

Dann möchte ich als Zweites erwähnen, dass ich Frauen- und genauso auch Männerarbeit als eine sehr wichtige, zeitgemässe Unterstützung auf diesem Weg betrachte. Es ist so inspirierend und beglückend, heute sehen zu können, wie Brotherhood- und Sisterhood-Kreise auf der ganzen Welt entstehen.

Alle Formate, die uns stärken, die uns in die Selbstverantwortung, oder man könnte auch sagen, ins erwachsene Selbst bringen, sind in unserer Welt dringend nötig. Workshops, Vorbilder, Gespräche, Coachings, Programme, die zeigen, dass wir aus der Opferhaltung rauskommen müssen, dass nur jammern niemandem nützt, dass wir tatkräftig einen Unterschied machen können wenn wir in unserer Kraft sind. Dass wir Energie erhöhen statt senken sollen. So dass wir, gestärkt in unserer Power, in ein Miteinander oder einen Kreis von vielseitigen Menschen treten können. Auf Augenhöhe, wo weder Geschlecht noch Kultur noch Hierarchie noch Alter eine Rolle spielen.

Und ich glaube, hier liegt unsere Zukunft, hier liegt vielleicht sogar die einzige Chance der Menschheit. Im Humanismus, der wichtiger sein muss als jede Technologie. Der Begriff bedeutet für mich Respekt vor der Vielseitigkeit von allen Lebewesen. Wo der Mensch gesehen wird, mit all seinen Talenten, Aufgaben und Lektionen. Wo Fühlen, Denken und Körperweisheit miteinbezogen werden in Entscheide und wir uns nicht nur auf Zahlen verlassen oder reduzieren. Wo wir frei sind, innerlich und äusserlich, und natürlicherweise miteinander kooperieren statt konkurrieren. Wo Individualität und Originalität gelebt werden, welche in Firmen, in Organisationen und Gemeinschaften wertgeschätzt werden und uns alle gewinnbringend weiterbringen. (Übrigens: der Begriff der "Individualität" stammt vom Lateinischen ab und bedeutet "Ungeteiltheit"!)

In dem Moment, wo wir Menschen uns als Menschen in unserer Individualität sehen, werden wir keine Quoten mehr brauchen, und auch keine Diversity-Programme mehr. Wenn wir uns angstfrei auf Augenhöhe begegnen, wertschätzen wir jeden Menschen, egal wie alt, welche Nationalität oder Geschlecht er gerade verkörpert. Dann erkennen wir, wie uns die alten Strukturen limitiert und festgezurrt haben. Wie sie Kreativität unterdrücken und Freiheit sowieso. Dann entscheiden wir uns anders:

Es ist uns dann klar, dass Potenzialentfaltung gross geschrieben wird - und wir uns verabschieden von ängstlichem Festhalten an eine alte hierarchische Welt voller ungeschriebener Gesetze und diffusen Machtstrukturen. Wo Arbeit Teil des Lebens ist, selber gewählt und frei ausgeübt, und wo sie nicht abgespalten werden muss vom Leben, wie im unpassenden Begriff der "Work-Life-Balance". Wo auch Arbeitspausen, Auszeiten, Sabbaticals und nichts-tun selbstverständlich als wertvoll betrachtet werden und man sich nicht dafür rechtfertigen muss.

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Der Weg auf diesem Reifungsprozess ist mit vielen Stolpersteinen ausgestattet, auf dem es uns hilft, gelegentlich zu pausieren, uns auszuruhen oder zu stärken - und dies kann dann eben in einer Gruppe von Frauen unter Frauen geschehen.

Women's Circles lassen uns Frauen erleben, wie kraftvoll Gemeinschaft ist. Dass wir nicht bewertet werden, dass wir alle unsere Stärken und Schwächen haben und dass wir alle "auf dem Weg" sind. Dass wir im Grunde dieselben Herausforderungen haben, dass wir uns näher sind als wir glauben. Dass wir nicht allein sind. Dass wir unterstützt werden. Dass wir gut sind, so wie wir sind. Dass wir nicht immer gut gelaunt, körperlich fit oder karrieretechnisch auf der Überholspur sein müssen, sondern dass wir einfach echt uns selber sein können, uns wahrhaftig zeigen, verletzlich, unperfekt. Und dass wir auch dann geschätzt werden.

Es ist für mich jedes einzelne Mal so ein Geschenk, dies erleben zu können. Zu sehen, wie Frauen erblühen in einem Women's Circle und wie sie sich gegenseitig bereichern mit ihrer Präsenz und ihrem wertfreien Sein. Mit ihren Ideen. Wie sie so in ihre Kraft kommen. Und wie die Frauen dann von einem Circle gestärkt hinaustreten in die Welt. Und mit ihrem Bewusstsein beitragen, unseren Planeten zu einem besseren Ort zu machen, wo wir nur gemeinsam überleben und uns entfalten können.

Wenn mich dann jemand fragt, ob ich Feministin bin, dann sage ich: Ja. Aber zuerst bin ich Humanistin.

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