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Arbeitswelt 2.0. - Ein Plädoyer für mehr weibliche Kompetenzen

Ende November war ich an der SWIPPA-Tagung eingeladen, zu einem Thementag über neue Arbeitswelten und positive Psychologie. Das psychologische Institut der Universität Zürich organisiert diese spannende Tagung jährlich.

Hier schreibe ich zuerst über den Workshop "Positivity und Wirtschaft", den ich besucht habe und weiter unten über meine Beobachtungen zur Arbeitswelt 2.0. Es wurde am Ende ein Plädoyer, soviel vorweg :)

Der Workshop wurde von Dr. Karin Vey, Researcherin bei IBM, gestaltet. Die Physikerin und Psychologin hielt ein spannendes Referat mit dem Titel "Positive Technologie - was emotionale Roboter bereits können". Sie sprach über die Arbeitswelt der Zukunft, über Roboter, künstliche Intelligenz und kognitive Systeme und erläuterte diverse Szenarien und Forschungs-Schwerpunkte, die in nicht allzu weiter Ferne liegen. Wir lebten gerade in einer sehr interessanten Zeit, in welcher die künstliche Intelligenz enorme Fortschritte mache - geradezu sprunghaft, meinte Karin Vey.

Sie sprach beispielsweise von kognitiven Systemen (etwa in der Medizin angewandt) und erklärte, dass sich alle drei Jahre das medizinische Wissen verdopple. Und in Zukunft würde dies noch schneller geschehen. Vey sprach weiter von neuen Forschungszweigen und nannte als Beispiel die Frage, wie man mit Robotern kommuniziere. "Roboter können mit ihrem Wissen in die Tiefe gehen, haben aber keine verallgemeinerte Intelligenz", erklärte Vey. Beispielsweise könnten Roboter in Banken gewisse Fragen nach Hypotheken beantworten, könnten dann aber keine Informationen zu anderen Themenbereichen geben. "Wenn Sie dann das Gespräch zu einem anderen Thema lenken, beispielsweise zum Fussballmatch von gestern Abend, sind die Roboter überfordert".

Vey zeigte in ihrem Referat mehrere Videos zur Arbeitswelt der Zukunft und zur Digitalisierung. Sie prognostizierte dazu, dass Weiterbildungen in Zukunft noch wichtiger werden würden. Für "future leaders" sei es in Zukunft essenziell, unterscheiden zu können, wann sie der Intuition folgen sollen und wann einem Algorithmus. Empathie nannte sie die "Key-Kompetenz Nummer Eins" der Zukunft und plädierte dafür, mit der Empathie-Förderung möglichst früh beginnen. Vey sprach sich in der anschliessenden Diskussion auch für elektronikfreie Zeit aus. Es sei wichtig, den Umgang mit Technologie bewusster zu gestalten, auch gerade in den Schulen: "Es ist eine gesamtgesellschaftliche Diskussion nötig, die wir nun führen müssen", meinte sie abschliessend.

Vey's Vortrag zeigte die immensen Herausforderungen der Zukunft auf und hinterliess nicht nur positive Gefühle. Eine Welt, in der alles berechnet, gemessen und über-analysiert wird, lässt mich die menschliche Seite vermissen, die etwa bei Frederic Laloux' viel diskutiertem, ganzheitlichem Modell "Reinventing Organizations" glücklicherweise wieder zum Tragen kommt. Dort ist klar ersichtlich, dass diese enorm materialistische, be-rechnende, maschinelle Welt, die nur aus Zahlen besteht, extrem einseitig ist. Empathie, "Care" (wie er es nennt), Verbindung, Sinnhaftigkeit und Gleichwertigkeit innerhalb der Organisation werden bei ihm enorm betont.

Froh war ich darum, hat Dr. Karin Vey die Empathie und die Intuition angesprochen, Key-Kompetenzen in der Zukunft. Das sehe ich auch so. Das Verbindende, Ganzheitliche, das Zwischenmenschliche darf nicht verloren gehen. Interessanterweise werden viele dieser Kompetenzen im Yin-Yang-System eher dem Yin (weiblichen Prinzip) zugeordnet. Darum hoffe ich, die Frauen in unserer Wirtschaft machen da noch mehr mit und be-leben diese Prinzipien. Ich ermutige die Frauen, ihre authentischen weiblichen Stärken mehr einzubringen. Verbindend, Brücken schlagend - nicht "gegen" etwas, sondern gemeinsam für etwas. Es wäre dringend nötig in unserer Arbeitswelt, die so aus dem Gleichgewicht geraten ist, die weiblichen Kompetenzen UND die männlichen Kompetenzen zusammen zu bringen. Zum Vorteil aller.

Doch wir alle sind gefragt, den Schritt in die neue Arbeitswelt auch selber zu vollziehen. Mit Selbst-Ermächtigung, authentischem Auftreten, Kontakten auf Augenhöhe, Zulassen der eigenen Intuition und Vertrauen aufs Bauchgefühl, viel zwischenmenschlichem Verbinden und echtem Austausch. Über Themen, die uns wirklich interessieren. Sich in diesen Themen ein Fachwissen aneignen, Kompetenzen verbessern, eine Reputation erarbeiten, dafür hinstehen, sich zeigen ohne falsche Scheu.

Wir sind gefordert, unsere Rollen abzulegen, uns nicht zu verstellen geschweige denn zu verkaufen, uns nicht mit einem 0815 Job zufrieden zu geben, sondern etwas zu finden, was uns auf einer besonderen Ebene zufrieden stellt. Etwas, was Sinn macht, echt ist. Und wenn es noch nicht existiert, es selber zu entwickeln. Wir sind dies niemand anderem schuldig - ausschliesslich uns selber. Damit legen wir eine Opfer-Haltung ab und können in die Verantwortung gehen. Zu vertrauen in unsere ureigenen Werte, unsere vielseitigen Fähigkeiten ist wichtig. Uns weiterzubilden in Bereichen, die einen Unterschied in unseren Leben machen. So, dass wir uns (auch) im geschäftlichen Umfeld berührt und erfüllt fühlen, von dem was wir tun oder sind. Und damit Andere anstecken und inspirieren.

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