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21 Tage ohne Zucker - und eine grosse Erleichterung

Mein Fazit nach der Ernährungsumstellung: Auch Naschkatzen können verzichten, wenn sie es wirklich wollen

21 Tage kein Industrie-Zucker. Keine Weissmehlprodukte. Kein Alkohol. Keine Fertiggerichte.
So lautete mein Vorsatz, den ich kürzlich endlich anpacken wollte. Ich wollte mehr Energie. Nicht so müde sein, fitter und gesünder sein und nicht den Launen meines Zuckerspiegels ausgesetzt sein.
Wisst ihr, wie es ist, wenn die eigene Stimmung immer davon abhängt, ob und was man gerade gegessen hat? Wenn liebe Freunde einen so sanft fragen, ob man wohl gerade hungrig und deshalb so sensibel sei - sie meinten wohl: gereizt, unaufmerksam und launisch? Mir ging es lange so, dass ich mich nicht konzentrieren konnte auf mein Gegenüber, wenn mein Blutzuckerspiegel im Keller war.
Gut, so nahm ich mir also vor, etwas daran zu ändern. Mindestens 21 Tage lang wollte ich den Versuch durchziehen, mich ohne Industriezucker, Weissmehlprodukte und Fertiggerichte zu ernähren. Zudem kein Alkohol, den ich aber sowieso selten trinke. 21 Tage deshalb, weil es solange daueut, bis im Gehirn neue Nervenbahnen ausgebildet sind, die dann die neue Verhaltensweise zur Gewohnheit machen. Dann soll alles leichter werden.
Vor dem Start dieser Challenge war ich skeptisch. Sehr sogar. Meine Erfahrung mit der eigenen Disziplin ist nicht gerade das, was man eine Erfolgsgeschichte nennen könnte. Ich bin gut darin, Vorsätze fallen zu lassen, gute Ausreden zu finden, die ich sogar noch selber glaube, und Dinge zu verschieben. Nicht die besten Voraussetzungen, würde man also denken!
 "Reichen 21 Tage wohl aus, um eine Veränderung zu bemerken? Das wird bestimmt ganz hart, anstrengend und auch unglaublich kompliziert..." - so dachte ich manchmal. Manchmal dachte ich das auch nicht - in gewissen Momenten hatte ich ein grosses Vertrauen, dass es jetzt einfach Zeit ist für eine gesündere Ernährungsweise. Und zwar langfristig, nicht nur 21 Tage.
Nun, die 21 Tage sind jetzt vorbei, also eigentlich schon 26 - denn ich habe einfach weitergemacht, weil mir die neue Ernährungsweise so leicht fällt.
Und mein Fazit lautet: Es könnte kaum besser gelaufen sein. Es verlief alles nach Plan, ich zog meine Vorsätze ohne einen einzigen Rückschlag durch. So kenne ich mich kaum, ich bin unendlich glücklich darüber. Ich bin auch jetzt noch hochmotiviert, mich weiter so zu ernähren, wie ich es nun ein paar Wochen lang tat. Nichts fehlt mir. Schwierige Tage waren selten. Die ersten paar Tage litt ich zwar etwas unter einem "Entzug", ich hatte Kopfschmerzen vom Zuckerverzicht. Und meine Dünnhäutigkeit war manchmal etwas nervig. Vermutlich weniger für mich als für meine Freunde und Kollegen. Aber die hatte ich natürlich informiert. Sowieso hatte ich allen Bekannten von meinem Vorsatz erzählt, das erhöhte die Motivation und hielt mich auch davon ab, schnell aufzugeben. Schämen vor ihnen wollte ich mich nämlich nicht.
Was half mir dabei, meine Vorsätze so konsequent durchzuziehen? Ich denke, es sind folgende Faktoren:
*Wie erwähnt, es hilft, vielen Bekannten vom Vorsatz zu erzählen oder den Vorsatz sogar in einer Gruppe durchzuziehen und sich regelmässig darüber zu unterhalten.
*Ich glaubte fest an die Vorsätze und stellte sie nicht sofort in Frage, auch wenn zu Beginn noch keine Veränderungen spürbar waren.
*Ich kochte oft zuhause für mich und hatte Spass, neue Rezepte auszuprobieren. Ich nahm mir dafür bewusst Zeit.
*Wenn ich zu Kunden-Essen eingeladen war, schlug ich wenn möglich gute, gesunde Restaurants selber vor. Wenn das nicht möglich war, ging ich mit einem klaren Vorsatz ins Restaurant und wusste, was ich nicht essen würde.
*Ich packte manchmal "Notfall-Mandeln", "Notfall-Bananen" und "Notfall-Nüsse" ein, wenn ich den ganzen Tag unterwegs war.
*Es gab und gibt aber auch ein "mentales Notfallset". Ich merke heute früh, wenn ein Verlangen nach Zucker durch meinen Körper schleicht und ich kann es mental ausgleichen, weil ich vorbereitet bin und es mich nicht überrascht. Meine innere Überzeugung und die mentale Klarheit über die Notwendigkeit und die Vorteile meiner Vorsätze haben mir die Umsetzung insbesondere am Anfang wirklich vereinfacht. Deshalb war es wichtig, mich immer wieder an die Vorteile zu erinnern.
*Das Verlangen nach Zucker oder Weissmehlprodukten hört auf, wenn man innerlich klar ausgerichtet ist. Wenn man weiss, was man nicht mehr essen möchte, weil es dem eigenen Körper nicht gut tut. Wenn die Überzeugung stark genug ist und man weiss, was der eigene Körper braucht oder eben nicht mehr braucht. Ich kann mit meiner mittlerweile gestärkten positiven Erfahrung auch dann leicht auf Zucker verzichten, wenn Gebäck und Schoggikuchen direkt vor meiner Nase stehen - ich habe jetzt gelernt, zu widerstehen, nein zu sagen, und das aus einem einzigen Grund. Nicht zur Selbstkasteiung, nicht aus Disziplin, nicht aus Gewichtsgründen, nein. Der einzige Grund ist Wertschätzung für meinen Körper. Weil ich merke, dass mein Körper sich ohne gewisse Lebensmittel besser fühlt. Das ist mir das Wichtigste: Mich zu 100% wohl in meinem Körper zu fühlen. Das kannte ich früher nicht wirklich.
*Fast immer bereitete ich mich am Morgen mental auf den Tag vor: das heisst, ich überlegte mir, wie mein Tag wohl verlaufen wird, was mir heute wichtig sein wird. Ich tue das seit längerem, und habe nun meinen Essensvorsatz einfach auch mit einbezogen. Habe mir also gesagt, dass ich meinen Vorsatz ernst nehmen werde und auch die wirklichen Bedürfnisse meines Körpers ernst nehme - nicht die "vorgetäuschten", unechten Zuckerbedürfnisse, hinter denen sich etwas anderes versteckt.
*Ich habe darüber reflektiert, geschrieben, Fortschritte festgehalten. Und zwar täglich. Das war so wichtig für mich. Es bestätigte mich, machte mich auch stolz auf das, was ich schon erreicht habe.
*Langsam essen hilft. Bewusst das Essen geniessen. Nichts neben dem Essen erledigen. Schon gar nicht am Schreibtisch oder vor dem TV essen. Sich freuen, dass man Zugang hat zu gesunden, frischen, energiebringenden Nahrungsmitteln. Sich klar machen, dass man damit seinen Körper verwöhnt und wertschätzt und dass er es einem dankt mit Gesundheit.
*Wenn ich eine Krise hatte, griff ich nicht automatisch zu zuckerhaltigem Essen, sondern fragte mich, was mein Körper mir sagen wollte, was das dahintersteckende Bedürfnis wohl sein könnte. Ich fand es fast immer relativ schnell raus und benötigte dann den Zucker nicht mehr.
*Ich fand leckere Alternativen - und zwar einfach, günstig und nah. Ich habe mich ganz aktiv nach manchmal süssen, aber zuckerfreien, gesunden Alternativen umgeschaut und sie auch gefunden. Dies war wohl einer der wichtigsten Erkenntnisse für mich: zu erleben, dass die Vorsätze alltagstauglich und leicht umzusetzen sind. Wäre es kompliziert, würde ich es wohl nicht durchziehen.
Das Bild hier ist übrigens der beste Beweis: Alles was Du darauf siehst, ist zu 100% mit meinen Vorsätzen verträglich. Kein Getreide und kein Industriezucker (die Cupcakes wurden mit Datteln gesüsst, der Boden ist aus Mandeln, Cashews, Reismilch, Kakaopulver. Der Kuchen besteht aus Nüssen und Bananen). 
Das wären also die wichtigsten Punkte, die mir geholfen haben. Heute, nach 26 Tagen, habe ich ein noch ausgeprägteres Sensorium dafür, wenn mir eine Speise nicht gut tun wird. Ich kann mir manchmal Lebensmittel in Gedanken vorstellen und weiss dann schon, ob mir diese schmecken und guttun werden oder nicht. Spätestens aber dann, wenn ich vor der Mahlzeit sitze und meine Sinne hinzukommen (riechen, schauen, schmecken), weiss ich ganz genau, was das in mir bewirkt. Finde ich echt erstaunlich und bin ich dankbar dafür.
Ich habe heute in der Tat mehr Energie. Bin weniger müde, erwache auch früher. Auch schlafe ich gut und tief. Ich fühle mich zudem etwas leichter (weil ich keine Waage besitze, kann ich das nicht belegen). Und ich bin viel weniger Zucker-launisch. Ich glaube, dass mein Blutzucker viel weniger in den Keller rutscht und dann wieder ins Dachgeschoss aufsteigt. Ich fühle mich ausgeglichener. Das sind alles Dinge, die ich natürlich nicht belegen kann, aber subjektiv wahrnehme.  Auch habe ich kaum mehr Magenbeschwerden; ein schöner Nebeneffekt, an den ich gar nicht gedacht hatte beim Start und der mich sehr erleichtert, weil ich früher schon fast an wiederkehrende Bauchschmerzen gewohnt war.
Ich freue mich auch für mich, dass ich so einen ungezwungenen Umgang mit dem Thema gewonnen habe. Es ist mir völlig klar, dass das so weitergehen wird. Und trotzdem will ich nicht fanatisch sein. Wenn ich mal wirklich Lust auf ein Gebäck oder ein Stück Zopf habe, werde ich es mir nicht verwehren. Ich will einfach klar bemerken, ob es wirklich "Gluscht" ist - oder ob ich dieses Nahrungsmittel "brauche", um eigentlich ein anderes, inneres Bedürfnis zu stillen.
Die wichtigste Erkenntnis ist für mich sicher, dass ich endlich so richtig fühle, was mein Körper mir wert ist. Dass ich es meinem Körper nicht mehr antun möchte, ihn mit ungesunden Dingen zu er-"nähren", ist klar, denn das ist ein Widerspruch in sich. Und ich merke, wie sich diese Wertschätzung auch auf andere Bereiche auszudehnen beginnt. Ich spüre meinen Körper besser, nehme schneller wahr, wenn etwas nicht stimmt. Ich bin sensibler auf Energien, mag mich noch weniger mit Situationen und Menschen, umgeben, die mir Energie wegziehen. Hingegen suche ich Momente, die meine Energie erhöhen, und merke, wie mein Körper es mir dankt. Ich habe das Bedürfnis nach Bewegung, nach Tanz, nach Berührung, um das Körperbewusstsein noch mehr zu erhöhen.
In Zukunft werde ich (weiterhin / noch mehr):
*Gesunde, reichhaltige Nahrungsmittel zu mir nehmen
*Biologische, saisonale, leichte Lebensmittel kaufen, auch wenn es teurer ist - der Preis ist mir mein gesunder Körper wert
*Aber auch süsse Ausnahmen geniessen, wenn mein Körper dies möchte
*Mir gut überlegen, wann und wo ich auswärts essen möchte - und wo ich nicht hinwill
*Noch weniger Kaffee trinken - ich spüre, er tut mir nicht besonders gut (das wäre dann eine nächste Challenge!)
*Natürliche Körperpflegemittel kaufen. Das erledige ich noch diese Woche
*Mich noch mehr mit dem Thema "Superfoods" vertraut machen und eindecken
*Für hektische Tage Mandeln, Datteln, Nüsse oder eine Banane mit dabei haben
*Smoothies noch variantenreicher zubereiten
*Noch mehr selber kochen & backen. Vitamix sei Dank, er macht mein Leben einfacher.
Meine früher täglichen Schoggiriegel, die Gebäck-Leckereien und die heisse Schokoladenmilch werden mir nicht mehr fehlen. Ich brauche sie nicht mehr, ich habe kein Gefühl des "etwas unbedingt haben müssens" mehr. Was für eine unendliche Erleichterung. Wie schön, habe ich mir bewiesen, dass es ohne geht. Dass es EINFACH geht. 
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